Liebes Publikum,

ich freue mich sehr, Ihnen als künstlerischer Leiter das Kammermusikfest der Hochschule für Musik und Theater Rostock unter dem viel versprechenden Motto „Mutationen“ vorzustellen.

„Mutabor!“, das ist der Zauberspruch, mit dem sich Kalif Storch aus dem Märchen Wilhelm Hauffs in einen Storch und wieder zurück verwandeln kann. Die Verwandlung ermöglicht ihm, die Stimmen der Tiere zu hören und so zu erfahren, wie es um sein Reich bestellt ist. Dumm nur, wenn man das Zauberwort vergisst… Nun ist dieses Zauberwort nichts anderes als ein lateinisches. – Und wir, wir Musiker mögen so ein Zauberwort, so ein Wort nur allzu gern immer und immer wieder verwenden, – ob imperativisch gebraucht oder nicht. Denn es heißt nichts anders als: „Ich werde verwandelt werden“! „Mutabor!“, das ist das Motto, dem wir uns durch den Umgang mit Musik als aktiv Musizierende oder als aktiv Hörende verschrieben haben. Allzu gern erliegen wir dem Zauber der Musik und lassen uns verwandeln, wir verwandeln uns schon beim Musikmachen, wir werden verwandelt, wenn wir sie hören. Und es ist der Reiz ihrer inneren Wandlungsfähigkeit. Es ist diese Wandlungsfähigkeit, die wir genießen, wenn die Formen, die Motive, die Töne durch Komponistenhand in der Komposition eine Veränderung, ihre Mutation erleben.

Wir werden hineingezogen in ihren Sog, in ihren Strudel und kommen verändert wieder heraus. Und während sich die Werke innerlich verwandeln und wir uns innerlich verwandelnd ebenfalls in ihren Bann gezogen werden, erleben wir das, was uns im Innersten bewegt: Leben und Seele, Seelenleben. Das ist manchmal schaurig-schön, das ist manchmal verlockend-verführerisch, und manchmal führt uns die innige Teilhabe auf Abwege, wenn wir zu Beginn nicht wissen, was am Ende herauskommt. – Wenn wir nicht wissen, wie uns geschieht.

In den drei Konzerten werden wir Mutationen, Transformationen aller Art erleben: Variationen, Bearbeitungen, Alternativfassungen, Grenzerweiterungen und Grenzsprengungen: Dvorak, der ukrainische Tänze im Dumky-Trio zu Kammermusik macht; Nodaira, der Bachs Ciaccona in neuem instrumentalen Gewand zeigt; Schumann, der sich an Spanisches wagt; Couperin, der Ländliches am Hofe Ludwigs XIV. kultiviert und verfeinert; Mozart, der alte Form sprengt und die Hörer seiner Zeit empört; Janáček, der seelische Kämpfe in Musik verwandelt und innere Abgründe wie Blitze aufleuchten lässt; und Brahms und Gershwin und Schostakowitsch und und und…

Zum Schluss möchte ich mich ganz herzlich bei all den vielen Studierenden, Kolleginnen und Kollegen bedanken, die in diesem Kammermusikfest mitwirken, sowie all denen hinter den Kulissen, die mit ihrer unermüdlichen Energie das Kammermusikfest ermöglichen.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen!

Endri Nini

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